BWZ
BILDUNGS- UND WISSENSCHAFTSZENTRUM DER BUNDESFINANZVERWALTUNG in Köln
Zirkuläre Identität II
In Kollaboration mit LHVH Architekten, Köln
2022 bis 2028
Bestands-Verblendfassade
Schonender Rückbau
Reinigung und Aufbereitung Ziegel
Re-Use-Verblendfassade
Mustertest 2025
Detail Mustertest 2025
RE-USE ZIEGELFASSADE
Substanz als Ressource
Das Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung in Köln wird aus dem Bestand heraus weiterentwickelt. Auslöser der Maßnahme sind konstruktive Schäden an der Verblendfassade. Die notwendige Erneuerung wird jedoch nicht als Abriss und Ersatz verstanden, sondern als Möglichkeit einer zirkulären, energetischen und gestalterischen Transformation.
Die bestehende Ziegelfassade prägt das Gebäude durch Materialität, Schichtung und Patina. Sie wird zum Ausgangspunkt des Entwurfs. Der Rückbau der Verblendschale erfolgt schadensarm und sortenrein, die Ziegel werden gereinigt, geprüft und in der neuen Fassade wiederverwendet. Das Gebäude wird damit selbst zur urbanen Mine. Notwendige Ergänzungen erfolgen gezielt, durch passende Neuziegel oder Bestandsziegel aus anderen Rückbauquellen.
Die neue Fassadenschale schreibt das vorhandene Mauerwerksbild fort, ohne den Bestand zu kopieren.
Unterschiede in Brennfarbe, Maß und Oberfläche der Re-Use-Ziegel werden nicht kaschiert, sondern kompositorisch gefasst. Aus der Ferne entsteht eine ruhige, zusammenhängende Gebäudehülle, aus der Nähe bleibt die Vielschichtigkeit des Materials sichtbar.
Auch die vorhandenen Holz-Aluminium-Fensterrahmen bleiben weitgehend erhalten. Durch den Austausch der Verglasung wird die energetische Qualität verbessert, ohne funktionstüchtige Bauteile unnötig zu ersetzen. Die Sanierung folgt damit einem Prinzip des Weiterbauens mit Augenmaß: so viel Ertüchtigung wie nötig, so wenig Materialeinsatz wie möglich.
Die Fassadensanierung bewahrt die Identität des Gebäudes und führt sie zeitgemäß fort. Die Ziegelfassade wird neu gelesen, die energetische Qualität verbessert und die vorhandene Substanz im Kreislauf gehalten. Aus dem Bestand entsteht ein weitergebautes Haus, das seine Geschichte nicht verbirgt, sondern als Ressource in die Zukunft trägt.